Ein Tag in Visby (Gotland) | Schweden
Visby auf Gotland sieht aus wie aus einem Mittelalter-Film – nur dass es echt ist und im Sommer an jeder Ecke blüht.
Über das Video
Visby auf der schwedischen Insel Gotland ist einer jener Orte, die man nicht vergisst. Eine mittelalterliche Hansestadt, in der die Zeit scheinbar stehengeblieben ist – mit einer der besterhaltenen Stadtmauern Europas, romanischen Kirchenruinen an jeder Ecke und blumengeschmückten Häusern, die aussehen wie aus einem Bilderbuch. Seit 1995 ist Visby UNESCO-Welterbe.
Die Geschichte der Hansestadt
Visby war im Mittelalter einer der bedeutendsten Handelshäfen im gesamten Ostseeraum. Im 12. und 13. Jahrhundert war Gotland ein Knotenpunkt des Fernhandels zwischen Westeuropa, Russland und dem Byzantinischen Reich. Deutsche Kaufleute siedelten sich hier an, die Stadt erblühte zu einem der reichsten Handelszentren der Hanse.
Das Ende der Blütezeit kam abrupt: 1361 eroberte der dänische König Waldemar IV. die Insel, die gotländische Bevölkerung außerhalb der Stadtmauern wurde in einer blutigen Belagerung niedergemetzelt – ein Massengrab mit über 1.800 Gefallenen wurde erst im 20. Jahrhundert entdeckt. 1525 folgte der nächste Schlag: Lübecker Truppen verwüsteten die Stadt und zerstörten nahezu alle Kirchen, die von deutschen Kaufleuten erbaut worden waren. Einzig die Marienkirche – die deutsche Kaufmannskirche – blieb verschont und dient bis heute als Dom zu Visby.
Kirchenruinen: Die Seele der Stadt
Was andere Städte als Schandfleck saniert hätten, hat Visby zu seinem unverwechselbaren Markenzeichen gemacht: die Ruinen der zerstörten Kirchen. Über ein Dutzend gotische Kirchenruinen verteilen sich über die Altstadt – mannshohe Mauerwerk mit leeren Fensterbögen, durch die der schwedische Sommerhimmel leuchtet. Die Ruinen der Heilig-Geist-Kirche, der Katharinen-Kirche und der Nicolai-Kirche sind besonders eindrucksvoll – heute dienen einige als Freiluftbühnen für Konzerte und Theateraufführungen.
Die Stadtmauer
Die 3,6 Kilometer lange Stadtmauer von Visby aus dem 13. Jahrhundert gehört zu den am besten erhaltenen Stadtbefestigungen Nordeuropas. 27 Türme und drei Stadttore haben die Jahrhunderte überstanden. Ein Spaziergang entlang der Außenseite der Mauer – idealerweise im Abendlicht – ist eines der schönsten Erlebnisse in Visby. Die Mauer steht übrigens seit 1805 unter Denkmalschutz, was ihrer erstaunlich guten Erhaltung sicher nicht geschadet hat.
Der Charme der Gassen und Gärten
Was Visby so besonders macht, ist aber nicht nur die Geschichte – es ist die Atmosphäre. Die engen Kopfsteinpflastergassen sind gesäumt von rosenbewachsenen Mauern, alten Holzfachwerkhäusern und bunten Vorgärten voller Rosen und Stockrosen. Im Hochsommer blüht es an jeder Ecke, was der ohnehin pittoresken Stadt noch einen romantischen Anstrich verleiht. Wir genießen einen ausgedehnten Rundgang bei strahlendem Sonnenschein – Visby zeigt sich von seiner besten Seite.
Praktische Infos
Die Altstadt ist kompakt und problemlos zu Fuß zu erkunden – alles Sehenswerte liegt innerhalb der Stadtmauer. Plant mindestens drei bis vier Stunden ein. Wer hungrig wird: In den Gassen der Altstadt gibt es zahlreiche Cafés und Restaurants, die im Sommer oft bis auf den letzten Platz besetzt sind – also früh kommen oder reservieren.
