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Tag 6Riga · Lettland22. Oktober 2023

Ein Tag in Riga | Lettland

Riga hat mich mit seinem Jugendstilviertel und der bewegten Geschichte wirklich gepackt – eine Stadt, die es verdient, länger zu bleiben.

Über das Video

Heute liegt die Mein Schiff 6 in der Hauptstadt Lettlands: Riga – einer Stadt voller architektonischer Kontraste, bewegter Geschichte und einer Energie, die mich sofort begeistert hat. Riga ist UNESCO-Welterbe und bekannt für das weltweit größte zusammenhängende Jugendstilviertel – aber auch die Altstadt, die Markthalle und der Blick von der Petrikirche machen die Stadt zu einem echten Highlight dieser Reise.

Kurze Geschichte: Von der Hanse bis zur Unabhängigkeit

Riga wurde 1201 vom deutschen Missionarsbischof Albert von Buxhoeveden gegründet – gemeinsam mit einem Kaufmannsgefolge aus Bremen. Die Stadt trat früh dem Hansebund bei und entwickelte sich rasch zum wichtigsten Handelsplatz im Baltikum. Doch Rigas strategische Lage machte es auch zum Zankapfel der Großmächte: Im 16. Jahrhundert wechselte die Stadt mehrfach den Besitzer, ehe 1621 der schwedische König Gustav II. Adolf die Stadt einnahm und Riga zur damals zweitgrößten Stadt Schwedens machte.

1721 zwangen die Russen nach dem Großen Nordischen Krieg die Schweden zur Kapitulation – Riga wurde Teil des Russischen Reiches und blieb es bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. In den Wirren von 1918 entstand erstmals ein unabhängiger lettischer Staat. Rund 40.000 Deutschbalten lebten zu dieser Zeit noch in der Stadt – sie wurden zwangsumgesiedelt, als die Sowjetunion im Rahmen des Hitler-Stalin-Pakts 1940 das Baltikum annektierte. Deutsche Truppen besetzten Riga zwischen 1941 und 1944, ehe die Rote Armee die Stadt zurückeroberte. Erst 1991 wurde Lettland wieder unabhängig.

Diese Geschichte ist im Stadtbild bis heute ablesbar – in der deutschen Backsteingotik der Altstadt, den russisch-sowjetischen Wohnblöcken am Stadtrand und den prachtvollen Jugendstilhäusern, die zur Jahrhundertwende von wohlhabenden Kaufleuten errichtet wurden.

Das Jugendstilviertel

Mehr als ein Drittel aller Gebäude in der Rigaer Innenstadt sind im Jugendstil erbaut – nirgendwo sonst in Europa findet man eine solche Dichte dieser Architektur. Besonders die Alberta iela und die Elizabetes iela sind wahre Freiluftmuseen: reich verzierte Fassaden mit Masken, Blumenmotiven, weiblichen Figuren und ornamentalen Details, die man stundenlang betrachten könnte.

Viele dieser Gebäude wurden um 1900 vom lettischen Architekten Mikhail Eisenstein entworfen – dem Vater des berühmten sowjetischen Filmregisseurs Sergei Eisenstein. Sein expressiver Dekorationsstil ist unverkennbar und hat dem Rigaer Jugendstil einen weltweiten Ruf eingebracht.

Die Petrikirche und der Panoramablick

Ein Besuch in Riga ohne Aufstieg in den Turm der Petrikirche wäre unvollständig. Per Fahrstuhl gelangt man auf die Aussichtsplattform in 72 Metern Höhe – von hier hat man einen grandiosen 360-Grad-Blick über die gesamte Stadt: die roten Ziegeldächer der Altstadt, den glitzernden Daugava-Fluss, die weißen Türme der Domkirche und im Hintergrund die sowjetischen Hochhäuser der Neustadt.

Die Markthalle – ein Industriedenkmal

Am Rande der Altstadt liegt die Rigaer Zentralmarkthalle – eine der größten überdachten Märkte Europas, ebenfalls UNESCO-Welterbe. Die fünf Pavillons wurden in den 1920er Jahren in umgebauten Zeppelin-Hallen errichtet, die ursprünglich im Ersten Weltkrieg für die deutsche Marine gebaut worden waren. Heute verkaufen hier Händler frisches Gemüse, Fisch, Fleisch, Käse und lokale Spezialitäten. Der Fischpavillon allein ist einen Besuch wert – der Geruch, das Gewimmel und die Vielfalt sind überwältigend.

Bootsfahrt auf der Daugava

Wer noch Zeit hat: Eine kurze Bootsfahrt auf der Daugava bietet einen schönen anderen Blickwinkel auf die Rigaer Skyline und das Stadtpanorama – besonders empfehlenswert im goldenen Abendlicht.

Praktische Infos
Liegeplatz > Jugendstilviertel
15 Minuten Fußweg
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